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Agrar-Lexikon
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Weizen

Nach Mais die weltweit wichtigste Getreideart. Weizen wird in Deutschland hauptsächlich als Wintergetreide angebaut und als Futter- und Brotweizen verwendet. In Süddeutschland wächst auch Hartweizen, der speziell für die Nudelherstellung (u.a. Spaghetti) verwendet wird. 2015  wurden über 3,2 Mio. Hektar (entspricht über 27 % der Ackerfläche)  in Deutschland) mit Weizen bestellt. 

Der Selbstversorgungsgrad beträgt über 134 %.

Merkmale

Weizen gehört zur Familie der Gräser (Poaceae). Er wird ca. 0,5 bis 1 m hoch, der Halm ist rundlich. Von der Gesamterscheinung wirkt er dunkelgrün und die Ähre gedrungen.

Herkunft

Der heutige Weizen ging aus der Kreuzung mehrerer Getreide- und Wildgrasarten hervor. Die ersten von Menschen angebauten Weizenarten waren Einkorn und Emmer. Ihr Herkunftsgebiet ist der vordere Orient. Die ältesten Nackt-Weizenfunde stammen aus der Zeit zwischen 7.800-5.200 v. Chr. Doch lange Zeit blieb der Anbau hinter dem der Hauptgetreidearten Einkorn, Emmer und Gerste weit zurück. Erst durch das Weißbrot, das ab dem 11. Jahrhundert in Mode kam, etablierte sich der Weizen. Heute ist Weizen in Deutschland die am häufigsten angebaute Getreideart und nimmt den größten Anteil der Getreideanbauflächen ein. Notwendig dazu war die Züchtung von Sorten, die den Verhältnissen in Deutschland entsprechen.

Anbau

Weizenkörner

Weizen stellt an Klima, Boden und Wasserversorgung höhere Ansprüche als andere Getreidearten. Winterweizen wird im Herbst ausgesät. Die Körner keimen schnell und entwickeln die ersten Blätter. Die kleinen Pflanzen bilden Nebensprossen (Bestockung) aus und überwintern so. Obwohl Weizen bis ca. –20° C frostresistent ist, bevorzugt er insgesamt ein gemäßigtes Klima. Im Frühjahr setzt das Streckungswachstum ein und die Blätter entwickeln sich. Am Ende der Streckungsphase ist bereits eine vollständige Ähre mit Ährchen und Blüten vorhanden. Die Ähren schieben nach außen und mit der Blüte ist die Pflanzenentwicklung abgeschlossen. Nach der (Selbst-)Befruchtung   entwickeln sich die Körner. Je Pflanze bilden sich 2 bis 3 Ähren tragende Halme aus, was ca. 350 bis 700 Halmen je Quadratneter entspricht. In jeder Ähre bilden sich etwa 25 bis 40 Körner aus. Sie bestehen aus 60 % Stärke, 12 % Eiweiß, 2 % Fett und 13 % Wasser.
Gegen Unkräuter und Pilze werden Pflanzenschutzmittel eingesetzt   Für einen optimalen Ertrag wird Weizen in drei kleinen Gaben mit Stickstoff gedüngt. Die Ernte erfolgt im Herbst, wobei der Durchschnittsertrag über 70 dt/ha liegt. Als Spitzenwerte werden Erträge von über 110 dt/ha erreicht. Durch diese hohen Erträge ist der Winterweizen allen anderen Getreidearten überlegen. Sommerweizen sät man im Frühjahr aus. Seine Erträge liegen aber deutlich unter denen von Winterweizen.

Das Stroh bleibt als Dünger auf dem Feld oder wird als Einstreu für die Tiere abgefahren.

Nutzung

Weizen spielt weltweit als Futter- und Nahrungsmittel eine große Rolle. Neben Reis und Mais stellt Weizen die wichtigste Getreideart für die menschliche Ernährung dar. Rund ein Drittel der weltweiten Getreideanbaufläche entfällt auf Weizen. Weichweizen wird in erster Linie für die Herstellung von Backwaren verwendet. Die Qualität des Mehles wird durch den Ausmahlungsgrad bestimmt, der durch den Ascheanteil im Mehl angegeben wird. Mehl des Typs 405 enthält z.B.  0,405 % Asche. Je niedriger die Zahl des Mehltyps ist, desto heller ist das Mehl. Beim Mahlen werden der Keimling und Teile der Schalen vom Nährgewebe getrennt. Benutzt wird nur der Mehlkörper. Je mehr von den äußeren Kornschichten erhalten bleiben, desto höher liegt der Ascheanteil. Weiter wird Weizen auch zu Grieß, Weizenbier, Grütze, Graupen, Branntwein (Korn), Weizenkeimöl und Stärke verarbeitet. Außer für die Ernährung wird Stärke in vielen Bereichen der Industrie z.B. in der Papier- oder Kleisterherstellung oder für Kosmetika eingesetzt. Für die Herstellung von Nudeln ist Hartweizen (Triticum durum) besonders gut geeignet. Als Wärme liebende Art wird er zumeist im Mittelmeerraum angebaut.

Die Nutzung von Weizen als Futtermitttel beträgt in Deutschland  rund die Hälfte. Über ein Dritttel geht in die Nahrungsmitttelproduktion, der Rest wird in der Industrie verwendet. Weizen  zum Heizen spielt nur eine sehr geringe Rolle.