i.m.a
Agrar-Lexikon

Energiepflanzen

Fossile Energieträger sind endlich, werden knapp und  sind - z.T. durch Spekulation - teuer. Energiepflanzen oder energiehaltige Biomasse sind – neben anderen Alternativen – eine Möglichkeit, die Abhängigkeit von fossiler Energie zu verringern. Alle Pflanzen enthalten - in unterschiedliche Mengen -  Energie. Sie lässt sich zum Teil leichter, zum Teil schwerer nutzen.

Aus Biomasse, - pflanzlichen Abfallstoffen – lässt sich durch Gärung  Biogas gewinnen.

Energiepflanzen im engeren Sinne sind schnellwachsende Hölzer und andere Ganzpflanzen, aber auch Mais und anderes Getreide. Sie werden vor allem durch Verbrennung zur Wärmeerzeugung - nicht nur zur Heizung, sondern auch als Ausgang für weitere Prozesse – genutzt.

Aber auch Ölpflanzen wie Raps und Sonnenblumen sind Energiepflanzen. Sie liefern nicht nur Nahrungsstoffe und Schmiermittel, sondern lassen sich auch z.B. zu Kraftstoffen verarbeiten.

Weiter sind Pflanzen wie Zuckerrüben, Kartoffeln und Getreide  Energiepflanzen, aus denen sich z.B. Treibstoffe gewinnen lassen.
Besondere Bedeutung hat das Bio-Ethanol, das durch Gärung aus Biomasse gewonnen wird . In Deutschland werden etwa 50% davon für technische Zwecke, insbes. als Kraftstoffzusatz verwendet. 
 
Ethanol für technische Zwecke und als Kraftstoffzusatz werden vergällt, damit sie für Menschen ungenießbar werden.
 
In Deutschland wurde 2011 der neue Kraftstoff E10 eingeführt, der einen Anteil von 10% Bioethanol im aus Erdöl gewonnenen Benzin enthält. Vorher waren nur 5% Ethanol im Auto-Benzin. Die Einführung erfolgte im Zusammenhang mit der EU-Biokraftstoffrichtlinie, um den fossilen Rohstoffverbrauch und CO2-Emissionen zu reduzieren. Der Kraftstoff stößt auf Akzeptanzprobleme, insbesondere weil Autofahrer um die Verträglichkeit für die Motoren fürchten.
In der EU wird einerseits eine vermehrte Verwendung von Bio-Kraftstoffen und eine Anhebung der Beimischung von Ethanol bei Benzin angestrebt. Andererseits gibt es - ebenso in der EU - Widerstand dagegen.
 
Umstritten ist die Verwendung von Getreide zur Bioethanolherstellung. Das Schlagwort lautet: "Tank oder Teller". Von der deutschen Getreideernte gingen 2011 unter  4 %, rund 1,5 Mio t, in die Bioethanolherstellung. Bei dieser Herstellung fielen noch etwa 500.000 t Eiweißfuttermittel an. Vor allem scheinen bestimmte Roggensorten sich dabei zu bewähren.  Außer Getreide werden auch Zuckerrüben in Deutschland zur Bioethanolherstellung verwendet. 
Die Bioethanolproduktion hat sich in der Welt in den letzten 6 Jahren beinahe verdreifacht. 80 % davon werden Kraftstoffen beigemischt.
 
Landwirte betreiben seit Jahren in steigendem Maße Anlagen zur Erzeugung von Biogas.  In diesen wird aus Biomasse (Gülle, Festmist und Energiepflanzen wie Mais, Getreide, aber auch Grassilage) durch Vergärung  Gas (Methan) gewonnen. Meist wird das Gas vor Ort in Blockheizkraftwerken  (Kraft- Wärmekopplung) zu Strom und Wärme verarbeitet. Der Strom wird in der Regel in die öffentlichen Netze eingespeist, die Wärme als Prozesswärme oder zur Heizung verwendet. Die anfallenden Reste nach der Gärung sind als Dünger verwendbar.
Die Zahl der Biogasanlagen stieg von 2002 bis 2012 von 1.608 auf 7.521. Die Dimension stieg von 160 Megawatt auf 3.185 Megawatt. Die Vorteile sind unter anderem:
•    Einsparung fossiler Energieträger durch Verwendung bisher ungenutzter örtlich verfügbaren Pflanzen oder Pflanzenteile,
•    hohe Energieausbeute im Vergleich zu anderen Bioenergien (z.B: Biodiesel),
•    dezentrale Stromerzeugung verringert Transportstrecken und ist auch grundlastfähig,
•    hohe Düngerqualität der Gärreste,
•    Verminderung der Geruchsemissionen.
 
Nachteile sind unter anderem:
•    evtl. Entstehung von Monokulturen zur Beschickung der Anlagen,
•    Konkurrenz zwischen Anbau von Nahrungs- und Futtermittelpflanzen einerseits und  Energiepflanzen andererseits
•    hohe Sicherheitsanforderungen.
 
Umstritten sind - je nach Berechnung -  die Auswirkungen auf den CO2-Ausstoß.
 
Gesetzliche Regelungen zur erneuerbaren Energie können den Bau derartiger Anlagen - vor allem durch die Vergütung der Einspeisungen ins Stromnetz - fördern oder auch behindern. Die EU will die Beschickung der Anlagen mit Mais oder anderen Kulturpflanzen einschränken.
Siehe auch nachwachsende Rohstoffe, Biokraftstoff.
 
Die Fachagentur für nachwachsende Rohstoffe (FNR) und die Union zur Förderung von Öl- und Proteinpflanzen (UFOP) fördern den Anbau und die Verwertung nachwachsender Rohstoffe